MEIN SPRACHAUFENTHALT IN KANADA von Vreny Kündig
Mein Sprachaufenthalt war sozusagen meine erste Reise über den Ozean. Ich war vorher noch nie geflogen und nun sollte ich gleich 12 Stunden lang fliegen. Es war sehr imposant für mich, so hoch über den Wolken zu schweben. Ein spezieller Moment war, als wir über Grönland flogen und all die Eisberge sehen konnten.

      Vreny Kündig

Meine Reise begann nur mit Problemen. In der Schweiz hatte ich 1 1/2⁄ Stunden Verspätung wegen eines Problems mit dem Bordcomputer. In London musste ich einer halben Stunde das Flugzeug wechseln. Die grösste Schwierigkeit war, dass ich nicht wusste, wo entlang ich laufen musste, damit ich meinen Flug erwischte. Ich fand dann doch mit einiger Mühe mein Flugzeug. Dort sass ich neben einer sehr netten Familie aus London, die mir später noch half.

In Kanada angekommen hatte ich schon das nächste Problem: Wo sind meine Koffer? Meine erste grosse Reise, mein erster Flug und keine Koffer...ich musste alles genau erklären und beschreiben. Ich hoffte nur, dass meine Gastfamilie auf mich warten würde. Meine Familie bereitete mir einen sehr herzlichen Empfang und ich fühlte mich dort sogleich sehr wohl.

      Meine Gastmutter mit ihrer Schwester und ihren Nichten

Am nächsten Tag zeigte mir meine Homestay Mutter den Weg zur Schule. Meine Schule lag im Zentrum von Calgary im 9. Stock eines Bürogebäudes und war in 40 Minuten zu erreichen. Tags darauf sollte dann mein erster Schultag sein. Aber wie sich herausstellte, stimmte das nicht. Die Schule sagte, der neue Block beginne erst in der nächsten Woche. Na toll! Ich war ganz allein in Kanada, meine Hostmother musste arbeiten und mein Englisch war nicht so perfekt, dass ich etwas unternehmen könnte.

An der Schule gaben sie mir den Tipp, ich sollte mal zum Touristoffice gehen und mir Informationen über Sehenswertes in Calgary holen. Meine Hostmother Deb hatte jedoch die beste Idee: Ich sollte doch den Sohn ihrer Freundin besuchen und dort Schifahren gehen, denn er arbeitet in einem grossen Skigebiet. Das war wirklich eine sehr gute Idee, ich wurde herzlich von zwei Junggesellen aufgenommen und verwöhnt.

Mit einer Woche Verspätung sollte mein Unterricht beginnen. Am dritten Schultag hatte ich schon einen Spitznamen: "Troublemaker“...! Die Klassenzusammensetzung fand ich sehr interessant, man lernte so viele neue Leute aus verschiedenen Ländern und Kulturen kennen. Wir hatten ein lustiges und aufgestelltes Verhältnis zueinander.

      Meine erste Schulklasse

Mein eindrücklichstes Erlebnis an der Schule war der letzte Tag des ersten Blocks. Jede Klasse erkor den Schüler oder die Schülerin des Monats. Es kam dabei jedoch nicht auf die Englischkenntnisse an, sondern auf den Umgang untereinander. Die Lehrerin musste nur zwei Sätze sagen und sofort sagte die Klasse im Chor, dass ich die Schülerin des Monats sei. Alle gratulierten mir zu meiner Wahl und ich war sehr gerührt.

Die Klassengrösse ist an der oberen Grenze, wenn man die Grösse der Klassenzimmer berücksichtigt. Die Schule verfügt über moderne Hilfsmittel und Einrichtung. Die Studenten kamen aus Japan, China, Korea, Kolumbien, Deutschland, Oesterreich, Venezuela, Mexiko, Frankreich, Kanada und der Schweiz.

In den Mittagspausen sassen wir mit unseren Freunden zusammen und erzählten uns, wie wir so in unserer Heimat leben und arbeiten. Dabei erfuhren wir interessante und oft unvorstellbare Dinge. Am interessantesten war jeweils das "Chickenwings“ am Mittwochabend. Alle Schüler und Lehrer trafen sich nach der Schule, um beim gemütlichen Essen über vieles zu sprechen und zu lachen.
Die Schulaktivitäten waren sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. So standen zur Auswahl u.a. Kinobesuch, Baseball, Eishockey, Rodeo, Skifahren, Reiten, Zoobesuch oder Einkaufen im grössten Shoppingcenter der Welt.

Mein Eindruck von der Gastfamilie war sehr gut. Ich fühlte mich gleich vom ersten Tag an akzeptiert und als Teil der Familie. So konnte ich fast jedes Wochenende mit zum Reiten gehen. Ich war in der Schweiz nur als Kind auf einem Pony geritten. So musste ich erst das Gefühl für ein Pferd bekommen, doch das war kein Problem.

      Meine Freunde warten aufs Reiten (Schulaktivität)

Zum Hund der Familie hatte ich ein besonderes Verhältnis. So konnte ich zu jeder Tageszeit nach Hause kommen, der Hund begrüsste mich immer. Deb sagte, ein so inniges Verhältnis hätte ihr Hund noch zu keinem anderen Studenten entwickelt. Ich konnte deshalb mit ihm nach der Schule laufen gehen, Spass machen oder Eis essen. Er liebte Eis.

Da die Schulaktivitäten sehr abwechslungsreich waren, hatte man immer viel Spass und lernte so am besten die anderen Studenten kennen. Unser Aktivitätenorganisator Steve hatte manchmal keine leichte Aufgabe, denn bei den Aktivitäten sprachen wir oft unsere Muttersprache, was natürlich nicht gewollt war. Steve war ein richtiger Spassvogel, man musste schon lachen, wenn man ihn nur ansah...

      Sonnenuntergang in den Bergen

Leider dauerte mein Aufenthalt nicht ewig und es hiess bald einmal Abschied nehmen. Das sollte der schwierigste Teil der Reise für mich werden. Ich hatte so viele nette und fröhliche Leute kennen gelernt und viel Zeit mit ihnen verbracht, und nun sollte ich ihnen für immer auf Wiedersehen sagen? So ein-fach war das nicht. Ich habe so viel Herzlichkeit von den Lehrern, dem Direktor, den übrigen Mitarbeitern der Schule, den anderen Studenten und meiner Gastfamilie erfahren; daran werde ich mich noch lange erinnern und hoffe, einige meiner neuen Freunde einmal wieder zu sehen. Ich kann so einen Sprach-aufenthalt nur weiter empfehlen, er ist so interessant, aufschlussreich und hilfreich für das weitere Leben. Obwohl ich am Anfang Zweifel hegte, hatte ich die tollste Zeit in Calgary und nahm nur allerbeste Erinnerungen mit nach Hause.

Autor: Vreny Kündig, 22 Jahre
Sprachaufenthalt: März bis Mai in Calgary, Kanada
Freizeit: Lesen, Tiere, Natur, Tanzen und Skifahren

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