MONTPELLIER - LA VILLE D'ART von Luzia Mathis
Gedanklich zog es mich schon lange in den warmen Süden Frankreichs. Am 1. April war es dann soweit. Verabschiedet von Familie und Freunden stand ich mit meinem Gepäck erwartungsvoll und leicht nervös am Bahnhof meines kleinen Wohnortes. Die Reise konnte beginnen, ich war bereit.

      Luzia Mathis

Nach mehreren Stunden Zugfahrt traf ich endlich in Montpellier ein, wo ich übrigens schon vor zwei Jahren auf einer Durchgangsreise mit Kolleginnen drei Stunden verbracht hatte. Diesmal würde ich Montpellier aber richtig kennen lernen und vieles erleben.

Die Gastfamilie, in der ausser mir noch zwei weitere Studenten lebten, war sehr herzlich und offen. Wir wohnten in einem Einfamilienhaus im Grünen etwas ausserhalb des Stadtzentrums, was ich sehr genossen habe. Mit der Familie (drei erwachsene Kinder) unternahmen wir viele Ausflüge in die Umgebung. Auf diese Weise kam man mit der französischen Kultur immer tiefer in Berührung. Die Esskultur der Franzosen ist sehr ausgewogen und gesund. Man isst sehr viel und gern, vor allem Käse zur Nachspeise und wenn möglich noch ein Dessert. Getrunken wird natürlich Wein und das täglich. Meine Gastmutter verwöhnte uns gerne mit ihrer Kochkunst.

Die Schule „Ecole Klesse“, die ich besucht habe, befindet sich zwischen dem Bahnhof und dem Place de la Comédie. Für den Schulweg benutzte ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Mit dem Tram (seit 2000 in Betrieb) kam man stets schnell und unkompliziert ans Ziel. Ich hatte eigentlich immer eine gute Klasse, die zum Glück mit verschiedenen Nationalitäten durchmischt war. Meine Lehrer waren sehr engagiert und humorvoll. Das persönliche Wohlbefinden an dieser Schule, an der überwiegend Schweizer waren, hatte oberste Priorität. Das schulische Angebot war sehr breit. Nebst Nebendiplomkursen, welche jeweils am Nachmittag stattfanden, wurden auch Ausflüge angeboten. So führte uns der erste Ausflug zur Degustation auf ein Weingut. Jeden Freitag organisierte Christian, der einzige Lehrer der gesamten Lehrerschaft, ein Fussballspiel beim Zenith. Auf dieses freute ich mich jedes Mal, da auch einheimische Jugendliche mitspielten, mit denen man sich in der Fremdsprache unterhalten konnte. Anfänglich bereitete mir der südliche Dialekt etwas Mühe, doch das legte sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer.

      Meine Schulklasse

Die erste Zeit meines Aufenthaltes windete es sehr viel. Einheimische bestätigten mir, dass das nicht üblich sei. Normalerweise sei das Wetter recht mild im April. Im Mai verzog sich dann der schon etwas nervige Wind. Dafür regnete es des öfteren. Ab Ende Mai und dann den ganzen Juni hatten wir endlich herrliches Sommerwetter.

Montpellier, auch Studentenstadt genannt, ist eine sehr schöne, interessante und lebhafte Stadt, die sich vor allem in den letzten beiden Jahren stark entwickelt hat. Für Frauen ein echtes Einkaufsparadies, aber nicht immer billig. Ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren vielen kleinen Gassen ist etwas vom Spannendsten. Mich faszinierten vor allem die schönen Parkanlagen, alten Kirchen, versteckten Läden und Cafés. Der Place de la Comédie bildet das Zentrum des Geschehens. Er ist umgeben von kleinen Cafés, Kinos (sehr beliebt in Frankreich), Geschäften, dem Opernhaus, Strassenkünstlern und vielen Menschen. Einmal in der Woche findet dort der Markt statt.

      "Place de la Comédie"

Die Regierung gibt sich alle Mühe, die Stadt sauber und sicher zu halten. Das Problem der Bettler, Punks und vor allem den auffällig vielen Hunden, die viel Schmutz verursachen, ist bekannt, dennoch nicht vollständig eliminierbar. Die Strassen werden deshalb täglich gereinigt und die Stadt mit Polizeipräsenz überwacht. Obwohl ich persönlich nie irgendwelche Auseinandersetzungen erlebte, hörte ich von Vorfällen. In der Schule wurde dieses Thema auch angesprochen.

Meine Freizeit verbrachte ich meistens mit den Leuten aus der Schule. Zusammen nahmen wir die abenteuerlichsten Dinge wie das Kanufahren. Wir besuchten den Markt in Arles, die interessante Stadt Nîmes mit der Arena, Béziers, die Grotte Clamouse, das 300 Seelendörfchen St-Guilhem-le-Désert, das wunderschöne Avignon, den Pont du Guard, das Hafenstädtchen Sète, das Golferparadies Cap d’Agde, den mit roter Erde umgebenen Lac du Salagou, die beiden Naturphänomene Cirque de Navacelles und Cirque de Mourèze, das Burgstädtchen Carcassonne und sogar den spanischen Ort Figueras, wo wir das Salvador-Dali-Museum bestaunten. Die ganze Region Languedoc-Roussillon hat so viel an kultureller Schönheit zu bieten, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal dort war.

      Ausflug nach Arles

Mit dem Auto war man flexibel und ungebunden. Nur das Fahrverhalten der Franzosen war etwas gewöhnungsbedürftig. Nicht nur für Autofahrer, auch für Fussgänger. Ich stellte rasch fest, dass grün nicht immer grün hiess und man manchmal bei rot sicherer über die Strasse kam. Doch da Montpellier die grösste Fussgängerzone Frankreichs hat, hält sich das Ueberqueren noch in Grenzen. Im Vergleich zur Schweiz findet man kaum neue oder unversehrte Autos vor. Dafür sind die Autobahnen in ausserordentlich gutem Zustand. Dafür bezahlt man wiederum Péagen, die sich schnell summieren und bezahlt mehr fürs Benzin.

Am Wochenende war dann jeweils Party angesagt. In einer der unzähligen, verschiedenen Bars und Discotheken, sei es innerhalb oder ausserhalb der Stadt, verbrachten wir immer lustige Abende zusammen. Den Weg nach Hause bestritten wir der Sicherheit wegen immer in Gruppen. Manchmal gab es auch öffentliche Veranstaltungen wie die Gay Pride oder am 21. Juni den Tag der Musik, der in ganz Frankreich gefeiert wird. In jedem kleinen Winkel der Altstadt spielen Musiker. Die Stimmung war riesig, überall wurde getanzt, gesungen und natürlich Sangria getrunken. Ein anderer Höhepunkt war die Feria von Nîmes. Stierkämpfe sind zwar auch dort nicht überall beliebt, trotzdem gehen die meisten Leute am Abend in die Gassen und Höfe tanzen und feiern. Man muss diese Atmosphäre einfach erlebt haben.Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, erlebte ich Montpellier einmal von einer ganz anderen Seite. Da niemand arbeitete, schien die Stadt fast ausgestorben. Wie ein autofreier Sonntag kam es mir vor; schön war es – anders.

Ein Grund, warum ich mich auch für Montpellier entschieden hatte, war die Tatsache, dass das Meer so nah lag. Mit dem Bus erreicht man Palavas in ca. 20 Minuten. Dort fand in den Osterferien ein internationales Sport-Festival direkt am Meer statt.

Der schönste Strand befindet sich jedoch nach Carnon. Dort ist das Wasser ganz klar und sehr sauber. Zeitweise verbrachten wir jeden Nachmittag mit Baden und Beachen. Das war im Juni, welcher ausser dem Sommer sehr viele interessante Ereignisse mit sich brachte. Einerseits fand die langersehnte Eröffnung der neuen TGV-Strecke statt, andererseits kamen meine Prüfungen immer näher, auf die ich mich in der Schule so lange vorbereitet hatte. Ich empfand dies aber keinesfalls als Stress, da die Ferienstimmung überwog.

      Strand zwischen Carnon und la Grande Motte (im Hintergrund)

Nachdem ich die Prüfungen an der Universität (Prüfungszentrum) erfolgreich abgeschlossen hatte, hiess es schon bald Abschied nehmen. Am Tag der Abreise hatte ich gemischte Gefühle. Einerseits war ich ein bisschen traurig, da diese tolle Zeit fern der Heimat zu Ende ging, andererseits freute ich mich aber wieder auf zu Hause und auf alles Neue, was mich dort erwartete.

Die Zeit in Montpellier wird mir immer in sehr guter Erinnerung bleiben. Ich habe viel gesehen und gelernt und zudem einige sehr liebe Menschen kennen lernen dürfen, mit denen ich heute noch in Kontakt stehe. Auf das nächste Mal Montpellier freue ich mich jetzt schon. Bis dahin lassen mich meine vielen Fotos in Erinnerungen schwelgen.

Autor: Luzia Mathis, 21 Jahre
Sprachaufenthalt: April bis Juni in Montpellier, Frankreich

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Weitere Bilder zu diesem Bericht
   
      Das "Polygone", grösstes Einkaufszentrum

      "Place de la Comédie" mit dem Brunnen der drei Grazien

      Abenteuer pur beim Kajakfahren

      Sport-Event in Palavas

      Halfpipe - Sport-Event in Palavas


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