WHERE ARE YOU FROM von Martin von Ostheim
Von allem Anfang an war mir klar, dass ich dieses Jahr einen Sprachaufenthalt in einem englischsprachigen Land - für das First Certificate - machen wollte. Nach einer fachmännischen Beratung bei Pro Linguis in Meilen entschied ich mich für Australien und fürs QCE in Brisbane, was, im Nachhinein gesehen, eine Topentscheidung gewesen war.

      Eine typisch australische Landschaft - die Flinders Range

Obwohl Brisbane eine Grossstadt ist, habe ich das eigentlich gar nie so richtig wahrgenommen. Es gab immer frische Luft, ein grossartiges Klima und eine wahnsinnig entspannte Atmosphäre, absolut nicht zu vergleichen mit unseren Städten in der Schweiz. Dass Australien einige andere Sitten hatte, was Discos und Bars anging, merkte ich spätestens, als ich wegen "zu schlechter Kleidung“ nicht in eine Disco reingelassen wurde...

Voller Erwartungen kam ich an einem Sonntagmorgen im April bei meiner Homestay-Familiy an und wurde dort freundlich aufgenommen. Sofort verschwanden meine Ängste, dass ich mit meinem Englisch nicht zurechtkommen könnte. Nach einem kurzen Talk erfuhr ich, dass meine Homestay-Family sämtliche Instrumente spielte, die ich auch beherrschte, so fingen wir schon am ersten Tag an zusammen zu musizieren.

Und dann ging es los, die Begrüssung in der Schule, das Kennenlernen der neuen Klassenkollegen, und jeder fragte jeden: "Where are you from?“. Wir stellten zwar fest, dass es ziemlich viele SchweizerInnen gab, allerdings war bei allen die Motivation meistens genügend gross, dass wir nur Englisch miteinander sprachen.Dann begrüssten wir unsere neuen Lehrer, die alle hochmotiviert waren und uns nicht nur im Englischen, sondern auch beim Planen unserer Reisen und Aktivitäten immer wieder wertvolle Tipps gaben.

      Wohnquartier in Brisbane mit subtropischer Vegetation

Am ersten Abend begann dann das grosse Suchen nach meiner Familie. Weil ich die Busnummer nicht wusste und gerade einen Bus sah, auf dem mein Quartier angeschrieben war, fragte ich ihn, ob er zu meiner Busstation führe. Er sagte ja, tat es dann aber doch nicht. So irrte ich bei Dunkelheit in meinem Quartier eine Weile herum, bis ich schliesslich die richtige Strasse fand. Doch dann passierte mir das absolut Peinlichste: Ich fand den Hauseingang nicht! Das Problem war, dass das ganze Haus von einem tropischen Garten umgeben war, mit Kakteen, Palmen und einem kleinen Schwimmbad. Rundherum gab es einen riesengrossen Zaun, dessen Türe nur Eingeweihte finden konnten. So blieb mir nichts anderes übrig, als in der Telefonkabine vor dem Haus meine Familie anzurufen und ihnen zu sagen, dass sie mir den Eingang zeigen sollten - ich stand gerade davor, als sie rauskamen.
Alle paar Wochen veranstalteten wir ein Barbecue in einem Park in der Nähe. Es gibt dort viele Plätze, bei denen man grillieren und gemütlich zusammensitzen kann. Die Sonne ist hier enorm stark, und so holte ich mir schon am ersten Wochenende einen wahnsinnigen Sonnenbrand, den man noch Wochen später sehen konnte.

Nach der Schule gingen wir oft in eine der zahlreichen Bars in Brisbane. Die Stammbar unserer Schule ist das Jo-Jo’s, dort konnte man fast immer ein bekanntes Gesicht antreffen. Auch am Mittag konnte man sich schon für ein paar Dollars ein Riesenmenü kaufen, was meinem speziellen Appetit natürlich sehr zu Gute kam.

Von Zeit zu Zeit unternahmen wir auch zusammen mit der Klasse etwas. Einmal lud uns eine Lehrerin zu sich nach Hause zu einem Morgenessen mit riesengrossem Buffet ein, ein anderes Mal gingen wir zusammen in einen Park zum Essen oder gemeinsam ins Kino. An einem Wochenende veranstaltete der Klassenlehrer meiner Parallelklasse für seine Klasse einen Regenwaldtrip. Das muss grossartige gewesen sein, ich wäre da gerne mitgegangen.

      Ein Ausschnitt aus dem dichten Regenwald

An Ostern gingen wir auf einen Camping-Trip auf Moreton Island. Das ist eine kleine tropische Insel in der Nähe von Brisbane. Es gab Autofähren auf die Insel, so kamen Unmengen von Familien mit Range Rovern auf die Insel. Sie liessen den Pneus jeweils die Luft ab, damit sie besser auf Sand fahren konnten. Neben der gemütlichen Lagerfeuerstimmung und den richtigen tropischen Platz-regen gehörte natürlich auch Schwimmen und Sandboarden dazu: jeder bekam ein Kartonbrett, auf das man draufliegen und eine Sanddüne runterfahren kann. Schon bald fanden wir heraus, dass man schneller wird, wenn man zu zweit auf ein solches Board liegt. Beim Schnorcheln konnten wir die unbeschreibliche Schönheit des Meeres bestaunen. Wir sahen Fische in allen erdenklichen Formen und in den schillerndsten Farben umherschwimmen.

Ich hätte gern noch länger den Fischen zugeschaut, aber die Organisatoren winkten und wir fuhren zu weiteren Naturschönheiten der Insel und betrachteten am Abend die Delphine im Meer.
An fast jedem Wochenende unternahmen wir irgendetwas, in meistens ziemlich spontan gebildeten Gruppen. Einmal ging ich zu einem Koala Sanctuary, wo ich einen Koala knuddeln konnte und dort auf einen Papagei traf, der jede Menge Flüche beherrschte (jetzt kann er auch welche auf Schweizerdeutsch). Ein anderes Mal veranstalteten wir eine Party bei einem Kollegen zu Hause oder genossen ein Wochenende am Meer.

      Der freche Papagei (Kakadu)

Einmal mieteten wir uns zu viert ein Auto und fuhren zum Noosa Nationalpark, wo wir zum ersten Mal Kängurus sahen und auch streicheln konnten. Das Fahren auf der anderen Strassenseite war nicht besonders schwierig, nur dass die Kreisel linksherum gingen und dass die Ausfahrten auf dem Highway links sind, verwirrte mich anfangs etwas. Im Regenwald sahen wir einen kleinen Leguan und eine Schlange an uns vorbeihuschen, und ich versuchte, an einer Liane Tarzan zu spielen (ist übrigens schwieriger, als ich dachte).

Die Zeit verging viel zu schnell und kaum hatte ich angefangen, standen auch schon die Cambridge Prüfungen vor der Tür. Unsere Lehrer begleiteten uns und warteten draussen auf uns.

Danach reiste ich mit zwei weiteren Studenten aus meiner Klasse noch 20 Tage in Australien herum. Wir mieteten uns eine alte Schrottkiste (Jahrgang 82!) und fuhren von Brisbane nach Sydney, dann in die Blue Mountains, von dort aus zu den Flinders Ranges und in die Wüste nach Coober Pedy. Von dort aus ging es nach Adelaide und dann wollten wir von dort über die Great Ocean Road nach Melbourne fahren – allerdings verabschiedete sich unser Auto am drittletzten Tag mit Rauch und Dampf. Das nächste Mal würde ich ein Auto bei einer grossen Organisation mieten, vielleicht wäre das etwas teurer, aber dafür hätte ich sicher keine solchen Schwierigkeiten.

Wir sahen auf unserer Reise in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel Schönes. Australien ist definitiv eine oder besser mehrere Reisen wert! Es gibt dort schlichtweg einfach fast alles, von Wüste über Buschland bis zum Meer.

Autor: Martin von Ostheim, 21 Jahre
Sprachaufenthalt: März bis Juni in Brisbane, Australien
Freizeit: Musik, Jungwacht, Reisen und Berge

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Weitere Bilder zu diesem Bericht
   
      Der Ibis mit seinem langen Schnabel ist immer auf Essenssuche

      Delphine am Abend im Meer

      Der Nationalpark von Noosa

      Ein vorbeihuschender Leguan

      Ein Känguru zum Knuddeln


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